Offizielle Internetpräsentation der IHK Saarland



 Motiv: © vege - Fotolia.com

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Kennzahl: 17.11945
04.01.2016

Welcome to the Machine

Im Blickpunkt
Von Dr. Heino Klingen


Die Digitalisierung schreitet stetig voran. Es gibt kaum noch einen Bereich des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens, in dem keine modernen Informations- und Kommunikationsmedien eingesetzt werden. Ob im verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Dienstleistungsbereich, in der Bauwirtschaft oder in der Hotellerie und Gastronomie – die digitalen Technologien halten überall Einzug und verdrängen zunehmend ihre analogen Vorgänger. Sie werden deshalb schon bald unser Leben noch radikaler umkrempeln, als sie es bis heute schon getan haben.

Der Siegeszug der digitalen Technik ist vor allem ständigen und gewaltigen Verbesserungen an der Leistungsfähigkeit der Rechner zu verdanken. Dahinter steht das sogenannte Moore´sche Gesetz, wonach die allgemeine Rechnerleistung sich alle 18 bis 24 Monate verdoppelt. Das sprengt die normale Vorstellungskraft. Um sich dennoch ein Bild von den langfristigen Wirkungen dieses Gesetzes zu machen, denkt man am besten an ein Auto, das alle zwei Jahre doppelt so schnell oder doppelt so sparsam würde.

Schneller, billiger, kleiner und leichter – das sind aber nur die quantitativen Auswirkungen des Moore´schen Gesetzes. Sie lassen allenfalls erahnen, welche Sprengkraft sich dahinter verbirgt. Auf seiner Basis entsteht eine neue Industriewelt – eine Welt, in der Maschinen mit Maschinen reden, Roboter mit sensomotorischen Fähigkeiten genuin menschliche Funktionen ausführen und Systeme selbst lernen. Die digitale Revolution hat damit das Zeug, die gesamtwirtschaftliche Produktivität in ungeahnte Höhen zu steigern, das Leben noch bequemer zu machen und unseren Lebensstandard um ein Vielfaches zu erhöhen.

Die digitalen Risiken sind beherrschbar
Diesen enormen Chancen stehen aber auch Risiken gegenüber. Hierzu gehört vor allem, dass der massenhafte Einsatz der Digitaltechnologien einen erheblichen Abbau von Arbeitsplätzen zur Folge haben könnte. So sehen Schätzungen für die USA langfristig jeden zweiten Arbeitsplatz bedroht. Gefährdet sind dabei nicht nur Routinearbeiten manueller Art, sondern auch wiederkehrende Arbeiten in den Dienstleistungsbereichen.

Fraglich ist allerdings, ob und inwiefern Untersuchungen aus den USA, die weder unser duales Ausbildungssystem kennen noch die Weiterbildungsmöglichkeiten über Techniker- und Meisterschulen, auf die Verhältnisse in Deutschland übertragbar sind. Doch selbst wenn unser Aus- und Weiterbildungssystem das Ausmaß der Freisetzung von Arbeitskräften kleiner ausfallen lässt, ändert das nichts an der Tatsache, dass die Digitalisierung auch bei uns erst einmal Jobs kosten wird.
Das hört sich alarmierend an, ist aber näherem Hinsehen kein Beinbruch. Denn wir alle – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – haben es in der Hand, mit klugen Entscheidungen die nachteiligen Folgen des digitalen Fortschritts zumindest abzufedern, so dass möglichst wenige Menschen auf der Strecke bleiben.

Die entscheidende Rolle kommt dabei der Politik zu. Sie sollte sich darauf besinnen, dass die Freisetzungseffekte des technischen Fortschritts immer dann beherrschbar waren, wenn über Investitionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die beste Prophylaxe gegen digitale Arbeitslosigkeit ist deshalb eine wirtschaftsfreundliche Politik. Eine Politik, die dafür sorgt, dass Investitionen sich rechnen, unsere Infrastruktur modernisiert wird, Unternehmensgründungen erleichtert werden und unser Bildungssystem den Anforderungen des digitalen Zeitalters gerecht wird.

Von ganz besonderer Bedeutung ist die Ausgestaltung unseres Steuersystems. Maschinen substituieren Menschen, wenn sie billiger produzieren können, und je besser Maschinen die menschliche Arbeitskraft ersetzen können, desto stärker wird sich jede Steuer oder Abgabe auf den Lohn negativ auf die Beschäftigung auswirken. Noch mehr als in der Vergangenheit kommt es deshalb im digitalen Zeitalter auf eine effiziente Steuerpolitik an. Nicht mehr nur, um durch niedrige Steuern die richtigen Leistungsanreize zu setzen, sondern auch um Arbeitnehmern eine faire Chance im Automatisierungsprozess zu geben.

Die Arbeitnehmer sind aber auch selbst gefordert. Sie müssen sich fragen, wie sie ihre Stellung gegenüber den immer intelligenteren Maschinen halten können. Der Wille zum lebenslangen Lernen ist nur eine Voraussetzung dafür. Hinzukommen muss aber auch die Bereitschaft, sich Kompetenzen anzueignen, die auch in der digitalen Welt gefragt sind. Oder anders gesagt: Schreiben, Rechnen, Lesen – geschenkt. Gefragt sind Ideen und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge vermitteln zu können. Auch das kann man lernen.

Die IHK wird digitaler
Die Digitalisierung der Wirtschaft fordert aber auch die IHK-Organisation. Als Querschnittsthema berührt es fast alle Bereiche unserer Arbeit. Wir haben deshalb für die Jahre 2015 und 2016 die Digitalisierung zum IHK-Schwerpunktthema gemacht. Unter dem Motto „Wirtschaft digital. Grenzenlos. Chancenreich“ verfolgen wir damit mehrere Ziele.

Als erstes wollen wir für gute digitale Rahmenbedingungen werben. Dies erscheint umso dringlicher, als Deutschland im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung immer noch hinterherhinkt. Das gilt vor allem für den Ausbau einer leistungsfähigen Breitbandinfrastruktur, wo gerade auch bei uns im Saarland noch Nachholbedarf besteht. Dringend erforderlich sind aber auch weitere Schritte zur Absicherung der Daten und zur digitalen Schulung in der Aus- und Weiterbildung.

Zum zweiten wollen wir unseren Mitgliedsunternehmen die Chancen der Digitalisierung verdeutlichen. Mit gezielten Veranstaltungen wie etwa im vergangenen Jahr zu digitalen Trends in der Gastronomie und Hotellerie zeigen wir Wege auf, wie sich die Potentiale der neuen Technologien nutzen lassen und welche Chancen sie für neue Geschäftsideen bieten.

Drittens nutzen wir die Digitalisierung, um unser Leistungsangebot zu erweitern. So haben sich alle 80 IHKs zusammengetan und aus 80 Lehrstellenbörsen eine einzige Börse für ganz Deutschland geschaffen, die zudem noch eine Praktikantenbörse umfasst. Unternehmen können hier ihre Angebote bundesweit einstellen. Und Interessenten können per Smartphone darauf zugreifen. Mit Blick auf die demografische Entwicklung und den drohenden Fachkräftemangel ist das gerade für uns im Saarland ein Vorteil, wenn offene Stellen überregional sichtbar werden.

Viertens zielen wir mit unserer Initiative auch darauf, die internen Prozesse und die Kommunikation mit unseren Mitgliedsunternehmen digital zu vereinfachen. Mittels elektronischer Akte und Formulare wollen wir weg vom Papier, auch wenn dies nicht überall und hundertprozentig zu bewerkstelligen ist. Und als Service für unsere Mitgliedsunternehmen bieten wir künftig unter dem Codenamen „single sign on“ einen schnellen und komfortablen Zugriff auf so unterschiedliche Angebote wie UMFIS (Umweltinformationssystem), Register für Finanzanlagenvermittler oder unsere Lehrstellenbörse. Ein Passwort – viele Dienste, das ist hier die Devise.

Mit diesen und vielen anderen Maßnahmen wollen wir den Unternehmen den weiteren Weg in die digitale Welt erleichtern. Als „work in progress“ werden wir unseren Maßnahmenkatalog ständig aktualisieren und ergänzen. Auch wenn es so gut wie unmöglich ist, hoffen wir dabei, den realen Veränderungen in der virtuellen Welt möglichst nah auf den Fersen bleiben zu können.