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 Motiv: © fotodo - Fotolia.com

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16.10.2014

Unternehmen wollen ausbilden!

Thema der Woche


 „Immer weniger Betriebe bilden aus“ – so lautet ein häufig zu hörender Vorwurf an die deutsche Wirtschaft. Wie ist es tatsächlich um das Ausbildungsengagement der deutschen Wirtschaft bestellt?

Nicht jeder Betrieb kann und darf ausbilden
Betrachtet man alle Unternehmen in Deutschland, bilden in der Tat „nur“ rund 21 Prozent aus. Diese Quote führt aber in die Irre. Stichwort Ausbildungsbefähigung: Wer ausbildet, muss alle Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln, die zu einem Ausbildungsberuf gehören, denn wir alle wollen eine Ausbildung mit Qualität. 55 Prozent der Unternehmen in Deutschland erfüllen diese Voraussetzungen, besitzen also eine von den Kammern bescheinigte Ausbildungsberechtigung. Darunter befinden sich auch viele Klein- und Kleinstbetriebe, die zum Teil erst wieder einen Azubi einstellen können, wenn der vorherige die Ausbildung abgeschlossen hat – also alle zwei bis drei Jahre. Das Ausbildungsverhalten von Betrieben muss daher über einen längeren Zeitraum hinweg betrachtet werden, so wie es das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung getan hat. Danach haben zwischen 2007 und 2013 von allen berechtigten Betrieben 81 Prozent auch tatsächlich ausgebildet – was ein völlig anderes Bild ergibt.

Ausbildungsbeteiligung steigt mit Betriebsgröße
Immer mehr Betriebe gehen zudem bei der Suche nach geeigneten Azubis leer aus. Je größer ein Unternehmen ist, umso mehr kann es sich in der Ausbildung engagieren und um Azubis werben. Ausbildungsberechtigte Betriebe mit 50 bis 499 Beschäftigten bilden zu 87 Prozent aus; ebensolche mit mehr als 500 Beschäftigten sogar zu 96 Prozent. Bei fast allen Unternehmen machen sich inzwischen die demografische Entwicklung und der Akademisierungstrend bemerkbar. Bei kleinen Betrieben bedeutet das häufig, dass der eine Ausbildungsplatz frei bleibt. Die Ausbildungsbeteiligung von Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten ist mit 38 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe daher nur auf den ersten Blick gering. Kleinere Betriebe sind bei ihrer Suche nach Auszubildenden auch deshalb inzwischen immer häufiger erfolglos, weil Jugendliche oft größere, bekanntere Betriebe favorisieren. Wer aber längere Zeit keinen Azubi findet, fällt zwangsläufig aus der Statistik der Ausbildungsbetriebe heraus. Die sinkende Ausbildungsbetriebsquote ist somit ein Indiz für den drohenden Fachkräftemangel und keinesfalls für eine nachlassende Ausbildungsbereitschaft der deutschen Betriebe. Denn die Statistik bildet nicht die „Ausbildungsbereitschaft“ von Unternehmen ab, sondern die Zahl der Betriebe, die tatsächlich mindestens einen Azubi ausbilden.

Fördern statt fordern
Anstelle von unrealistischen Forderungen nach einer Steigerung der Ausbildungsbetriebsquote brauchen Betriebe mehr Unterstützung, um geeignete Bewerber für ihre Ausbildungsplätze zu finden bzw. Leistungsschwächere fit zu machen. Gefragt sind gezielte Hilfen für leistungsschwächere Jugendliche, aber auch Unterstützung für kleine und mittlere Betriebe, die Jugendliche mit Förderbedarf ausbilden wollen. Hier bieten sich Formen der „assistierten Ausbildung“ an. Dazu gehören auch ehrenamtliche Projekte wie "VerA" zur Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen oder "Stark für Ausbildung", wo Betriebe konkrete Unterstützung erhalten. Außerdem sollten alle gesellschaftlichen Akteure an einem Strang ziehen, die Berufliche Bildung stärken und auch mehr Leistungsstarke für Aus- und Weiterbildung in den Betrieben gewinnen. Erfolg und ein spannendes Berufsleben sind nicht nur durch ein Studium möglich!

Ansprechpartner:
Ulrike Friedrich, DIHK Berlin, Telefon 030 20308-2514
Markus Kiss, DIHK Berlin, Telefon 030 20308-2516