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 Motiv: © Phoenixpix - Fotolia.com

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03.09.2015

Mittelstandskredite als Stabilitätsanker schützen

Thema der Woche


Mit Basel III wurden insgesamt deutlich höhere Eigenkapitalquoten für Banken beschlossen. Ein Korrekturfaktor soll verhindern, dass die Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen (KMU) darunter leidet. Kredite an KMU bis zu einer Höhe von 1,5 Millionen Euro sind von der allgemeinen Erhöhung ausgenommen – sie profitieren so von günstigeren Krediten. Aber noch ist nicht klar, ob diese Erleichterung auf Dauer erhalten bleibt.

Neutraler Blick vonnöten
Denn ausgerechnet die Europäische Bankaufsichtsbehörde (EBA) soll die Wirkung der Erleichterungen für kleine und mittlere Unternehmen überprüfen. Dabei hat gerade die EBA den Korrekturfaktor in der Vergangenheit abgelehnt und wollte – ungeachtet der Auswirkungen für die Unternehmensfinanzierung – alle Kredite über einen Kamm scheren. Zwar zeigt sie sich mittlerweile etwas offener, aber sie unterschätzt weiterhin die Bedeutung von Mittelstandskrediten als Stabilitätsanker für Unternehmen wie für Banken.

Mittelstandskredite nützen der europäischen Wirtschaft …
Die 23 Millionen kleinen und mittelgroßen Unternehmen machen das Gros aller Betriebe in der EU aus und schaffen zwei Drittel der Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft. Für sie ist es vielfach schwieriger, einen Kredit zu erhalten, als für größere Unternehmen – selbst in Deutschland, wie die neueste DIHK-Finanzierungsumfrage wieder einmal zeigt. Die Kreditversorgung dieser Unternehmen vor weiteren Einschränkungen zu schützen, nützt deshalb nicht nur den EU-Ländern, die aktuell Reformen schultern müssen, sondern der europäischen Wirtschaft insgesamt.

… und stärken die Finanzstabilität
Aber eine stabile Kreditvergabe an den Mittelstand stärkt auch das Finanzsystem. Denn eine Vielzahl von kleineren KMU-Krediten ist für eine Bank insgesamt oft risikoärmer als eine gleich hohe Kreditvergabe an wenige Großunternehmen: KMU-Kredite sind weniger von großen, globalen Konjunkturtrends abhängig. Das verringert das Risiko, dass viele Kreditnehmer gleichzeitig in Schwierigkeiten geraten – und eine existenzbedrohende Krise für die Bank auslösen könnten.

Mittelstandskredite werden selbst jetzt noch zu stark belastet
Der KMU-Korrekturfaktor ist deshalb auch kein Geschenk, das eingeführt wurde, um eine Gruppe von Unternehmen besonders zu privilegieren. Im Gegenteil: Er erkennt lediglich die stabilisierende Wirkung an, die die größere Streuung der Risiken bei KMU-Krediten für das Geschäft einer Bank haben. Und vieles spricht dafür, dass er dafür sogar noch zu niedrig angesetzt ist: Berechnungen der Bundesbank etwa legen nahe, dass KMU-Kredite im Vergleich zu denen für Großunternehmen – jedenfalls in Deutschland – eigentlich sogar noch geringere Eigenkapitalanforderungen haben sollten.

Es braucht einen Schritt nach vorne, nicht zurück
Wenn der abschließende EBA-Bericht im Februar 2016 vorliegt, will die Europäische Kommission darüber entscheiden, ob der KMU-Korrekturfaktor dauerhaft erhalten bleibt. Das sollte er auf jeden Fall, denn sonst sind die Investitionsmöglichkeiten und damit die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittlerer Unternehmen in Europa bedroht. Sinnvoll wäre aus Sicht des DIHK sogar eine höhere Obergrenze für die Kreditsumme bei KMU. Denn die derzeit maximale Kreditobergrenze von 1,5 Millionen Euro wird auch bei kleinen Unternehmen schnell erreicht. Gerade bei Einzelunternehmern werden zudem auch private Kredite des Unternehmers grundsätzlich mit eingerechnet. Da das Risiko für die Banken auch nicht sprunghaft zunimmt, wenn die Kredithöhe von 1,5 Millionen überschritten wird, bleibt hier Raum für eine Erhöhung.

Ansprechpartner: Dr. Tim Gemkow, DIHK Berlin, Telefon 030 20308-1507