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Mit Mut und Tatkraft aus der Krise

Von IHK-Präsident Dr. Richard Weber
Kolumne

01.12.2009

Annus horribilis – so würde man wohl in der Diktion des britischen Königshauses das nun bald hinter uns liegende Jahr bezeichnen. Bis weit ins Frühjahr hinein setzte sich nämlich die Talfahrt von Produktion, Umsätzen und Auftragseingängen fort. Auch wenn die Talsohle inzwischen überschritten ist, wird 2009 als Jahr mit dem schärfsten Einbruch der Wirtschaftleistung seit über sechs Jahrzehnten in die Geschichte eingehen. Nicht nur in der Bundesrepublik, sondern in den fast allen Industrieländern.

 

Das Saarland ist dabei von der Krise besonders betroffen, deutlich stärker als die Bundesrepublik insgesamt. Automobil, Stahl und Maschinenbau – gerade die Bereiche, die überall die stärksten Rückgänge hinnehmen mussten, haben hierzulande ein besonders hohes Strukturgewicht. Das Saarland dürfte also in diesem Jahr im Vergleich der Bundesländer einen der hinteren Plätze belegen. Damit lässt sich, nach einer langen Periode überdurchschnittlichen Wachstums, leben – zumal Auftragseingänge, Produktion und Umsätze seit einigen Monaten wieder nach oben zeigen. Die Läger werden wieder aufgefüllt, zurückgestellte Investitionen werden in Angriff genommen, der Konsum läuft noch relativ stabil.

 

Beschwerlicher Aufstieg

 

Bei unseren Unternehmen ist jedenfalls die Zuversicht größer als die Skepsis. Sie wissen aber auch: Es geht nur langsam und eher holprig nach oben. Der Tiefpunkt am Arbeitsmarkt liegt noch vor uns. Der Aufstieg wird beschwerlich. Denn die Stabilität ist teuer erkauft, der zarte Aufschwung auf Pump finanziert. Nach Ende der Infusionen aus staatlichen Konjunkturprogrammen und billigem Geld kommt die Ernüchterung. Klar ist:

 

Für das derzeitige und kurzfristig absehbare Produktionsvolumen werden deutlich weniger Beschäftigte benötigt, als derzeit noch in Arbeit sind. Daher ist die weitere Verlängerung der Kurzarbeiterregelung sehr hilfreich. Sie wird zwar einen deutlichen Beschäftigungsrückgang im kommenden Jahr kaum verhindern können. Wir rechnen aber damit, dass so die Arbeitslosigkeit unter der Zehn-Prozent-Marke bleibt.

Weniger Beschäftigung bedeutet sinkende Staatseinnahmen und höhere öffentliche Ausgaben – und ganz sicher auch einen Dämpfer für den privaten Konsum.

Der Welthandel wird sich nur langsam erholen – und damit die Chancen auf eine rasche und nachhaltige Erholung der Exportkonjunktur.

 

Mit anderen Worten: Die Krise ist noch lange nicht ausgestanden. Die Unternehmen haben bisher sehr besonnen darauf reagiert und weiter auf Zukunft gesetzt. Das

zeigen die Investitionsplanungen und Personaldispositionen.

 

Mehr Nachhaltigkeit – auch in der Politik

 

Eine solche Besonnenheit wünschen wir uns auch von der Politik in Bund und Land. Sie darf den Fehler nicht wiederholen, den sie einigen Managern zu Recht vorwirft – kurzfristiges Denken, ohne Rücksicht auf Zukunftsfähigkeit oder ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

 

Nachhaltigkeit in der Politik verlangt vor allem solide Finanzen und eine Konsolidierung der öffentlichen Haushalte. Sie verlangt einen Vorrang von Zukunftsinvestitionen vor Gegenwartskonsum. Und sie erfordert es, die Standortbedingungen so zu gestalten, dass unsere Unternehmen im globalen Wettbewerb eine faire Chance haben. Ein Negativbeispiel sind überzogene Belastungen der Energiepreise oder die hohen Lohnnebenkosten. Ein anderes sind Überregulierungen. Zu mehr Nachhaltigkeit gehört schließlich mehr und bessere Bildung für alle sowie der Erhalt und Ausbau der öffentlichen Infrastruktur. Einiges davon haben sich ja die neuen Regierungen in Berlin und Saarbrücken auf die Agenda geschrieben. Hoffen wir darauf, dass die guten Vorsätze nicht nur den Jahreswechsel, sondern auch die gesamte Legislaturperiode überstehen und dass sie umgesetzt werden.

 

Die Chance, die in der gegenwärtigen Krise liegt, ist die Rückbesinnung auf das, was für unsere Zukunft wirklich wichtig ist. Nachhaltigkeit tut Not – nicht nur in der Klimapolitik.