Sprungmarken zu den wichtigsten Seitenabschnitten


Suche Hauptnavigation A-Z Übersicht Hauptinhalt Servicelinks

Internetpräsentation IHK Saarland - Partner der Wirtschaft


Positionen

Kennzahl: 17.6453

Innenstädte und Ortskerne stärken

Von IHK-Präsident Dr. Richard Weber
Kolumne

01.03.2010

Unsere Innenstädte und Ortskerne haben in den vergangenen Jahren an Attraktivität eingebüßt und an Vitalität verloren. Der demografische Wandel und veränderte Einkaufsgewohnheiten der Bevölkerung haben diesen Prozess sicher begünstigt. Doch die eigentlichen Ursachen liegen tiefer.

Da ist zunächst der Strukturwandel im Handel. Einkaufszentren auf der grünen Wiese, der Online-Handel und das Vordringen der Discounter haben massiv Kaufkraft aus den gewachsenen Innenstädten abgezogen. Das hat vielen klassischen Einzelhändlern zu schaffen gemacht. Nicht wenige mussten aufgeben. Die entstehenden Leerstände konnten nur zum Teil an neue Anbieter weiter vermietet werden. Insgesamt büßten die Innenstädte dadurch an Attraktivität ein – mit der bitteren Folge, dass erneut Kaufkraft abfloss. Kurzum: Unsere Städte und Gemeinden sind in einen Teufelskreis nach unten geraten, aus dem sie sich bis heute nicht befreien konnten.

An dieser Entwicklung ist die Politik aber nicht ganz unschuldig. So manche Kommune ist vorschnell den Verlockungen der „grünen Wiese“ erlegen. Und getrieben von der Illusion, sie könne die Menschen zum Umsteigen auf Bus und Bahn bewegen, hat sie mit dem Rückbau von Straßen, quälenden Ampelschaltungen und hohen Parkgebühren das Einkaufen mit dem Auto in der City unattraktiv gemacht. Sie hat sich dabei einmal mehr über die Interessen der Bürger hinweggesetzt. Denn diese wünschen nun mal, mit dem Auto möglichst bis an die Ladentheke vorfahren zu können. Kein Wunder, dass die Kunden scharenweise in die Einkaufszentren mit kostenlosen Parkplätzen abgewandert sind. Zumal dort meist ein ansprechendes Einkaufsambiente geboten wird, das den Städten insbesondere in punkto Service, Sicherheit und Sauberkeit weit überlegen ist.

Unsere IHK steht für Wettbewerb. Wir sind deshalb auch nicht gegen innovative Vertriebsformen im Handel. Sie nutzen dem Verbraucher und sind insofern der sichtbare Beleg für die Aktualität des alten Sinnspruchs: Handel ist Wandel. Wir setzen uns aber genauso ein für den Erhalt der Innenstädte. Denn sie bieten mehr als eine Reihe von Einzelhandelsgeschäften. Sie sind Erlebnisraum, Begegnungsstätte und Identifikationskern für die umliegenden Regionen. Als Agglomerationsräume bilden sie den idealen Rahmen für Angebote aus den Bereichen Gastronomie, Hotellerie, Gesundheit, Freizeit, Unterhaltung, Kultur und Dienstleistungen. Es liegt deshalb im Gesamtinteresse der Wirtschaft, Innenstädte und Ortskerne zu erhalten, zu pflegen und zu stärken.

Die IHK hat sich in den vergangenen Jahren auf mannigfache Weise für eine Revitalisierung unserer Innenstädte eingesetzt. Mit zahlreichen Veranstaltungen, die meist in Zusammenarbeit mit den örtlichen Gewerbevereinen und Stadtmarketing-Initiativen durchgeführt wurden, mit Standortchecks und mit Gesetzesinitiativen haben wir versucht, Impulse zu setzen. Diese fielen nicht selten auf fruchtbaren Boden. So wird auf unsere Initiative hin regelmäßig ein Erfahrungsaustausch der saarländischen Citymanager durchgeführt. Die „City-Marketing Saarbrücken GmbH“ wurde von uns mit aus der Taufe gehoben. Und dass das Saarland zu den wenigen Bundesländern zählt, die ein BID-Gesetz haben, ist auch ganz wesentlich unserer Unterstützung zu verdanken. Wir sind deshalb sehr gespannt, wie sich das erste saarländische „Bündnis für Investition und Dienstleistung“, das kürzlich in Burbach ins Leben gerufen wurde, entwickeln wird.

Wir werden in unserem Engagement für die Innenstädte und den Handel nicht nachlassen. So haben wir im vergangenen Monat eine neue Veranstaltungsreihe mit der GIU im Rahmen der „Netzwerktagung Stadtumbau West“ zu den Perspektiven der Innenstädte im Saarland gegründet. Eine feste Größe im jährlichen Veranstaltungskalender unserer IHK ist der Aktionstag Handel, der Jungen und Mädchen erste Einblicke in die Arbeitswelt des Handels eröffnet. (Berichte hierüber finden Sie in diesem Heft.) Neuland werden wir in diesem Jahr in St. Arnual betreten. In einer gemeinsamen Initiative mit Partnern vor Ort wollen wir innovativen Existenzgründern zu Ladenlokalen in einem attraktiven Umfeld verhelfen. Dazu sprechen wir Haus- und Grundbesitzer gezielt an, leer stehende Flächen zu günstigen Konditionen zur Verfügung zu stellen. Die potentiellen Mieter sollen in einem lokalen Gründerwettbewerb ermittelt werden.

Wir appellieren aber auch an die Landesregierung, den Ladenschluss zu liberalisieren. Aus unserer Sicht sollte sie ihn von Montag bis Samstag völlig freigeben. Dadurch könnten die Innenstädte in den Abendstunden belebt, der Kaufkraftabfluss in benachbarte Regionen gestoppt und den Städtetouristen mehr Service geboten werden. Ein langer Donnerstag – wie von der neuen Landesregierung im Koalitionsvertrag vorgesehen – kann nur ein allererster Schritt in diese Richtung sein.