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 Motiv: © DOC RABE Media - Fotolia.com

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Kennzahl: 17.10323
03.04.2014

Fachkräftemangel bekämpfen, Wettbewerbsfähigkeit sichern


Mit den anziehenden Konjunkturerwartungen steigt in den Betrieben die Nachfrage nach Arbeitskräften. 250.000 zusätzliche Stellen wollen die Unternehmen in diesem Jahr neu schaffen. Finden sie dafür nicht die entsprechenden Fachkräfte, kann daraus schnell ein Hemmschuh werden: 37 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen im Fachkräftemangel ein Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung – 2010 waren es noch 16 Prozent. Aktuelle gesetzliche Vorhaben der Bundesregierung wie die Rente mit 63 gehen vor diesem Hintergrund in die völlig falsche Richtung.
 
Unternehmen setzen auf mehrere Strategien

Die Unternehmen versuchen, dem Fachkräftemangel mit einem Bündel an Maßnahmen zu begegnen.  Das zeigt  der DIHK-Arbeitsmarktreport 2013/2014. Ganz oben auf der Agenda  steht dabei die Intensivierung des Ausbildungsengagements, mit der mehr als jedes zweite Unternehmen auf Personalengpässe reagieren will. Das unterstreicht den hohen Stellenwert der dualen Ausbildung und macht zugleich deutlich, dass gerade in diesen Berufen Fachkräfte rar sind.

Ausnahmen vom Mindestlohn dringend nötig

Die Einführung eines flächendeckenden Mindestlohns von 8,50 Euro pro Stunde gefährdet nicht zuletzt  die duale Ausbildung – auch wenn der Mindestlohn für Azubis selbst nicht gilt. Er setzt Fehlanreize für Schulabgänger, sofort einen „Mindestlohnjob“ zu suchen, der rund 1.500 Euro im Monat verspricht, statt eine perspektivisch viel lohnendere Ausbildung mit einer niedrigeren Ausbildungsvergütung zu absolvieren. Eine Altersgrenze von 18 Jahren, wie sie der aktuelle Gesetzentwurf zum Mindestlohn enthält, ist nicht ausreichend: Denn bereits das Durchschnittsalter, in dem eine Ausbildung begonnen wird, liegt derzeit mit 20 Jahren klar darüber. Der DIHK schlägt deshalb vor, junge Erwachsene ohne abgeschlossene Berufsausbildung bis 25 Jahre vom Mindestlohn auszunehmen.

Arbeitgeberattraktivität immer wichtiger

Im Wettbewerb um gute Mitarbeiter setzen die Unternehmen zunehmend darauf, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Vier von zehn Unternehmen wollen mit Gehalt, Karrierechancen und flexiblen Arbeitszeiten und -orten bei Bewerbern punkten. Neue gesetzliche Regulierungen wie das geplante Rückkehrrecht für Teilzeitbeschäftigte auf eine Vollzeitstelle sind aber  fehl am Platz. Sie können den betrieblichen Realitäten nicht ausreichend Rechnung tragen, mindern die nötige Flexibilität und verkennen das Engagement in den Unternehmen. Hier sind individuelle Lösungen gefragt, die betriebliche Notwendigkeiten und Bedürfnisse der Beschäftigten in Einklang bringen.

Ältere mehr und mehr gefragt


Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen älterer Mitarbeiter gewinnen in den Betrieben zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Unternehmen setzen bei der Fachkräftesicherung auf diese bewährten Potenziale. Das zeigt die positive Entwicklung der Erwerbstätigenquote der über 55-Jährigen: Diese liegt mittlerweile bei 64 Prozent und damit deutlich höher als 2000 (37 Prozent). Auf die Herausforderungen, die durch älter werdende Belegschaften entstehen, reagieren bereits heute sieben von zehn Unternehmen. Flexible Arbeitszeiten auch für diese Gruppe, Maßnahmen zum betrieblichen Wissenserhalt sowie gesundheitsfördernde Aktivitäten stehen dabei im Mittelpunkt.

Frühverrentung ist das falsche Signal

Die Rente mit 63 ist vor diesem Hintergrund das völlig falsche Instrument. Sie läuft den Anstrengungen in den Betrieben zuwider und sendet das fatale Signal, die Älteren würden nicht mehr gebraucht – das Gegenteil ist jedoch der Fall. Hinzu kommt, dass die erheblichen Kosten dieser neuen Frühverrentung den künftigen Beitragszahlern in Rechnung gestellt werden. Wer es mit der Fachkräftesicherung ernst meint, sollte Erreichtes nicht durch rückwärtsgewandte Experimente aufs Spiel setzen, sondern konsequent an der Rente mit 67 festhalten.

Ansprechpartner: Dr. Stefan Hardege, DIHK Berlin, 030 20308-1115