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 Motiv: © vege - Fotolia.com

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10.11.2016

Digitale Bildungsoffensive!

Kolumne
Von IHK-Vizepräsident David Zimmer


Schnell einmal die Theaterkarten reservieren, das Hotel buchen oder nach einer Telefonnummer suchen – alles Dinge, die wir heute wie selbstverständlich online abwickeln. Oft sogar vom Mobiltelefon von unterwegs. Die Digitalisierung weiter Lebensbereiche ist in vollem Gange und die Wirtschaft stellt sich den daraus resultierenden Herausforderungen in zunehmendem Maße. Der Weg zur Industrie 4.0 wird mit großen Schritten begangen. Prozesse werden digital und autonom, Produktions- und Lieferketten werden in Zukunft von Algorithmen gesteuert und sinnvoll ausgewertete Daten lassen einen optimalen Mittel- und Arbeitseinsatz zu.

Alles Zukunftsmusik? Nein, sondern immer deutlicher werdende Realität in allen Unternehmen – vom kleinen Händler an der Ecke, der mit seinem speziellen Angebot tatsächlich überregional erfolgreich sein kann bis hin zum Konzern, der seine kompletten Prozesse digitalisiert. Bis hin zum Kunden. So werden in Zukunft Sensoren beim Kunden die Produktion von Ersatzteilen anstoßen, wenn ein definierter Abnutzungsgrad erreicht ist. Amazon Dash bietet einen Vorgeschmack auf das, was möglich ist und uns in Zukunft selbstverständlich vorkommen wird. Früher oder später wird auch die Verwaltung das Thema Digitalisierung forcieren müssen –‚ um die internen Prozesse zu optimieren ebenso wie für eine effiziente Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen. Hier ist zurzeit ein akuter Nachholbedarf auszumachen.

Der IT-Gipfel im November in Saarbrücken wird sich mit einem Thema befassen, das zentral ist, um diese Digitalisierung dauerhaft positiv zu gestalten: Der Bildung. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und Kultusminister Ulrich Commercon haben in den letzten Wochen begrüßenswerte Vorstöße in diesem Bereich unternommen. Doch es darf kein Zögern geben. Wenn wir junge Menschen auf die Veränderungen vorbereiten wollen, ist es jetzt bereits 5 vor 12. Es reicht nicht aus, die neueste App herunterzuladen und am Mobiltelefon spielen zu können. Digitale Bildung integriert Technik, Computer und onlinebasiertes Lernen in den schulischen Alltag. Die Basis ist eine moderne und leistungsfähige Infrastruktur. Dazu zählt etwa der schnelle Internetanschluss, das WLan-Netz und die Ausstattung mit PCs und Tablets – Institutionen wie das Center for Learning Technologie an der Universität des Saarlandes haben gerade im Bereich des elektronischen Lernens die Grundlagen geschaffen, um langfristig diese Bildungsaufgabe bewältigen zu können.

Bleibt allerdings ein Faktor, den es zu beachten gilt: Noch immer gibt es Lehrerinnen und Lehrer, die digitale Bildung in Konkurrenz zu einer klassischen Ausbildung der Kinder und Jugendliche sehen. Dass sich traditionelles Lernen im Klassenverbund, in Projektteams und die digitale Bildung ergänzen und heute sogar gegenseitig bedingen, muss in der Lehrerausbildung verstärkt berücksichtigt werden. Bereits in der Grundschule sollte es zum Standard gehören, dass Tablets lernunterstützend eingesetzt werden. Der Vorstoß des saarländischen Bildungsministeriums weist dabei in die richtige Richtung: Die Investition für die Calliope Computer ist gekoppelt an die Qualifizierung der Lehrkräfte. Aber warum ist diese nicht verbindlich vorgegeben? Und warum beschränkt sich das Angebot auf die Klassenstufe 3 der Grundschulen?

Die Zeit drängt. Wirtschaftlich gesehen ist die Digitalisierung in vollem Gange. Bis 2018 wird Deutschland in weiten Teilen das erste Ziel der Breitbandstrategie erreichen und es werden flächendeckend Bandbreiten von 50 Mbit/s verfügbar sein. Eine gute Grundlage für die Digitalisierungsstrategie der Unternehmen. Der logische und wichtige nächste Schritt ist bereits definiert: Bis 2025 sind Verbindungen im Gigabit-Bereich erforderlich. Auf dieser Infrastruktur bieten sich dann ganz neue Perspektiven. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen diese Möglichkeiten erkennen und nutzen können. Digitale Bildung ist der Schlüssel dazu und bedarf unser aller Engagement. Jetzt, und nicht erst in zehn Jahren.

Ihr

David Zimmer