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 Motiv: © sp4764 - Fotolia.com

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08.02.2017

Die Poleposition verteidigen!

Kolumne
Von IHK-Präsident Dr. Richard Weber


Einsteigen, losfahren und – ohne nachzuladen – entfernte Ziele erreichen. So lautet das Versprechen der Automobilhersteller, das die Antriebswende herbeiführen soll. Noch aber fällt die Bilanz ernüchternd aus: Gerade einmal 35.600 rein batteriebetriebene Fahrzeuge waren im November 2016 auf Deutschlands Straßen unterwegs –trotz Förderprämie. Die staatlichen Eingriffe in das Marktgeschehen konnten die Präferenzen der Kunden offenbar nicht wesentlich beeinflussen. Das ist auch gut so, denn Innovationen und Technologien müssen am Markt bestehen, wenn sie Zukunft haben sollen.
 
Der Wandel zur Elektromobilität muss also in den Köpfen der Konsumenten stattfinden. Doch ohne gute Rahmenbedingungen werden wir die automobile Poleposition nicht verteidigen können. China und andere Staaten werden mehr und mehr zum Taktgeber: Weg vom klassischen Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antrieben lautet die Devise. Dieser Trend wird auch das Saarland treffen, wo der Fahrzeugbau mit mehr als 40.000 direkten und indirekten Arbeitsplätzen eine der Schlüsselbranchen ist. Zahlreiche Bauteile des klassischen Antriebsstrangs, wie Kraftstoffzufuhr oder Abgasreinigung, mit denen das Autoland Saarland bei Herstellern weltweit punktet, werden relativ an Bedeutung verlieren. Andere, neue Komponenten kommen hinzu.

Wie sich diese Effekte auf die Beschäftigung auswirken, ist noch ungewiss. Doch wir müssen diese Entwicklung ernst nehmen und gewappnet sein. Richtig ist, dass die Landesregierung bereits zu diesem Zeitpunkt ein Strukturgutachten zur Wettbewerbsfähigkeit der saarländischen Automobilindustrie in Auftrag gegeben hat, das wichtige Handlungsempfehlungen enthalten wird. Fehl am Platz wäre Panik. Denn in einem weltweit stark wachsenden Markt werden auch nach 2030 noch 80 Prozent aller Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren und entsprechenden Getrieben unterwegs sein. Davon wird das Saarland weiterhin profitieren. Positiv stimmt außerdem, dass die deutsche Automobilwirtschaft globaler Innovations- und Technologieführer ist. Doch damit dies auch in zehn Jahren noch der Fall ist, müssen sich die Unternehmen strategisch neu positionieren – viele tun dies bereits. Zum Beispiel ZF: Die geplante Neuausrichtung des Werkes in Saarbrücken hin zu einem Leitwerk, das für Autohersteller weltweit Produkte für die Elektromobilität herstellt, ist konsequent. ZF sichert mit dieser strategischen Entscheidung auch den Standort Saarbrücken. Doch damit nicht genug. Weitere, technologische Umbrüche stehen unmittelbar bevor – auch jenseits neuer Antriebe: Autonomes und vernetztes Fahren, der Einzug des 3-Drucks in die Produktion, neue Materialen und vieles mehr. All das zeigt: Das Innovationstempo zieht weiter an, neue Player kommen auf den Markt, innovative Geschäftsmodelle entstehen.

Diesen tiefgreifenden Wandel können wir nicht aufhalten, aber wir können ihn mitgestalten – mit Mut, Tatkraft und viel automobilem Know-how. Dabei werden wir umso erfolgreicher sein, je mehr wir bei standortrelevanten Zukunftsthemen gemeinsam mit wichtigen Kompetenzträgern, wie dem Netzwerk automotive.saarland und dem Verein autoregion die Kräfte bündeln. Unser Ziel ist es, Synergien zu heben, indem wir die saarländische Automobilindustrie auf vielfältige Weise unterstützen – sei es als Plattform für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch, sei es als Impulsgeber für die Erschließung neuer Märkte oder als Motor für die Bildung grenzüberschreitender Kooperationen. Dabei setzen wir auch auf die enge Vernetzung mit der automobilen Forschungskompetenz an der Uni und der HTW. Und nicht zuletzt wird die IHK Saarland auch in diesem Jahr wieder hochwertige Veranstaltungen zur Zukunft der Mobilität im Programm haben. Zusammen mit unseren Partnern werden wir uns mit viel Herzblut und Kompetenz für das Autoland Saarland engagieren.