Offizielle Internetpräsentation der IHK Saarland



 Motiv: © daboost - Fotolia.com

Motiv: © daboost - Fotolia.com

Kennzahl: 17.10145
01.02.2014

Bienvenue chers amis - Saarland könnte mit Frankreichkompetenz noch mehr punkten

Kolumne
Von IHK-Vizepräsident Thomas Hempel


Mit ihrer kürzlich vorgestellten Frankreich-Strategie hat die saarländische Landesregierung schon jetzt eines erreicht: Sie hat in positivem Sinne Aufmerksamkeit und Interesse für unser Land und den Standort geweckt. Und sie hat das Zeug, den Standort Saarland in Zukunft noch attraktiver und bekannter zu machen. Auf dem Weg dahin ist Überzeugungsarbeit ist also ebenso nötig wie ein langer Atem.

Es könnte sich lohnen. Für Kinder und Jugendliche aus dem Saarland ist der frühe Erwerb der Nachbarsprache ohne Frage eine Bereicherung. Für Menschen aus dem benachbarten Lothringen senkt mehr Zweisprachigkeit hierzulande die Schwelle, um als Kunde oder Arbeitskraft ins Saarland zu kommen. Und ein gelungenes „Experiment Zweisprachigkeit“ könnte das Image unsere Landes erheblich befördern. Deshalb hat die Vision mehr als nur einen gewissen Charme.

Saarland profitiert schon heute
Hier an der Grenze profitieren die beiden größten Volkswirtschaften der Europäischen Union in besonderer Wiese voneinander – und am stärksten das Saarland: Frankreich ist mit einem Handelsvolumen von über zweieinhalb Milliarden Euro jährlich für das Saarland nach wie vor der mit Abstand wichtigste Handelspartner. Französische Unternehmen unterhalten rund einhundert Niederlassungen im Saarland und beschäftigen dort rund dreitausend Arbeitnehmer. Umgekehrt gibt es in Frankreich rund sechzig Niederlassungen saarländischer Unternehmen. Und das ist nicht einmal alles: Der grenznahe Einzelhandel profitiert schon lange in erheblichem Umfang von französischen Kunden, saarländische Dienstleister und Handwerksbetriebe machen im „kleinen Grenzverkehr“ gute und stetig wachsende Umsätze mit dem Nachbarland. In der Landeshauptstadt entfällt glatt ein Drittel der gesamten Einzelhandelsumsätze auf Einkäufe französischer Staatsbürger.

Viel wichtiger aber – heute und erst recht in der Zukunft – sind die aktuell rund 18.000 Fachkräfte, die derzeit noch viele unserer Industrie- und Dienstleistungsbetriebe am Laufen halten. Von dieser „Reserve“ haben wir viele Jahrzehnte lang profitiert. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten – gerade dann, wenn wir diese Fachkräfte noch dringender brauchen werden als heute – droht dieser Strom zu versiegen, weil die Zweisprachigkeit in Frankreich kontinuierlich abnimmt. Da hilft es zumindest ein wenig, die eigene Zweisprachigkeit zu verbessern. Es ist schließlich eine Frage der Intelligenz, diejenigen willkommen zu heißen, die man braucht.

Grenzregion als Fachkräfte-Pool
Die IHK wird deshalb die Frankreich-Strategie der Landesregierung durch eigene, zusätzliche Initiativen unterstützen. Insbesondere wollen wir unseren Mitgliedsunternehmen verstärkt helfen, Jugendliche aus Lothringen für eine duale Ausbildung im Saarland zu gewinnen und sie mit Erfolg auszubilden und zu halten. Aktuell denken wir etwa über die Organisation und Förderung von Deutschkursen für solche Jugendliche nach. Und unsere Akquisitionsbemühungen auf Ausbildungsbörsen und Jobmessen in Lothringen werden wir auf jeden Fall weiter intensivieren.

Schon jetzt unterstützt die IHK an vielen weiterführenden Schulen den freiwilligen Französischunterricht und die Zertifizierung der dabei erworbenen Kenntnisse. Damit helfen wir, den frühen Spracherwerb in den Grundschulen kontinuierlich fortzuführen. Aktuell bereitet die IHK in Zusammenarbeit mit der Landesregierung und der Region Lothringen einen Kooperationsvertrag für eine grenzüberschreitende Ausbildung vor. Die von der IHK mitfinanzierte „Fachstelle für die grenzüberschreitende Ausbildung“ vermittelt jungen Franzosen Praktika in saarländischen Betrieben. Der Deutsch-Französische Businesslunch, eine gemeinsame Veranstaltungsreihe von IHK Saarland und WTC Metz, bringt seit Jahren Unternehmen von beiden Seiten der Grenze miteinander ins Gespräch, der Businessplanwettbewerb 1,2,3 GO führt Gründer aus der gesamten Großregion zusammen und im Förderverein für das Deutsch-Französische Hochschulinstitut DFHI ist die IHK seit drei Jahrzehnten engagiert.

Aus Sicht der saarländischen Unternehmen bleibt der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt ein entscheidender Wirtschaftsfaktor. Mehr Frankreichkompetenz ist deshalb alles andere als Schwärmerei oder Nostalgie – sie hat eine handfeste ökonomische Rationalität. Die kulturelle Bereicherung ist ein willkommener Mehrwert.