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Auf dem richtigen Gleis?

Von IHK-Präsident Dr. Richard Weber
Kolumne

01.05.2010

Mehr als ein Viertel Jahrhundert haben sich IHKs, Abgeordnete und Regierungen der Region darum bemüht, die europäische Schienenschnellverkehrsverbindung Frankfurt – Saarbrücken – Paris Wirklichkeit werden zu lassen. Seit gut zwei Jahren ist die Strecke nun in Betrieb. Sie ist eine Bereicherung für die gesamte Großregion. Sie bedeutet eine entscheidende Standortaufwertung für das Saarland. Vor allem aber: Sie wird erheblich besser angenommen, als die vielen Skeptiker es sich je hätten vorstellen können. Mit anderen Worten: Der schnelle Zug ist schon heute eine Erfolgsgeschichte!

Bis jetzt jedenfalls. Denn die lange erwartete Verbindung ist Teil des Gesamtprojekts POS. Die drei Buchstaben stehen für Paris – Ostfrankreich – Südwestdeutschland. Teil zwei dieses Projekts ist die Strecke von Paris über Straßburg nach Stuttgart und München. Auf beiden Strecken zusammen beförderten die zwei beteiligten Bahngesellschaften DB und SNCF seit dem Start über zweieinhalb Millionen Fahrgäste. Und obwohl der „Südast“ über Straßburg früher in Betrieb ging, entfielen bisher auf die Strecke über Saarbrücken deutlich mehr als die Hälfte dieser Fahrgäste. Das hört sich beruhigend an. Ab 2012 sollen sogar zwei zusätzliche Zugpaare über Saarbrücken eingesetzt werden.

Zur Beruhigung ist dennoch noch kein Anlass. Denn in weniger als fünf Jahren wird die Strecke über Straßburg gegenüber Saarbrücken einen Zeitvorteil von mindestens zehn Minuten aufweisen. Und sollte die SNCF ihr Vorhaben umsetzen, die Strecke Paris – Frankfurt mit einem einzigen Zwischenstopp in Straßburg zu bedienen, wäre dieser Zeitvorteil noch einmal deutlich größer. Wird das Saarland bald abgehängt?

Auf anderen Fernstrecken haben Bahnreisende aus dem Saarland schon heute oft dieses Gefühl. Ohne (oft mehrmaliges) Umsteigen geht fast gar nichts, mancher Zug endet – trotz seiner fahrplanmäßigen Bestimmung – längst vor der Landesgrenze. Und wer so verwegen ist, den Flughafen Frankfurt per Bahn anzusteuern, findet sich bald in Regionalzügen oder in der S-Bahn wieder. Selbst die treuen Bahnkunden auf der ICE-Strecke nach Paris wurden immer wieder durch Verspätungen oder gänzlich ausfallende Züge frustriert: Technische Probleme mit den Radsatzwellen, dem Schotterflug auf dem französischen Teil der Strecke oder vereiste Kühlungsöffnungen im Winter machen dem deutschen Superzug zu schaffen.

Mit anderen Worten: Von einer guten oder auch nur befriedigenden Anbindung an den deutschen Schienenfernverkehr ist unser Land – mehr als fünf Jahrzehnte nach seiner Eingliederung in die Bundesrepublik – nach wie vor weit entfernt. Gegenüber anderen Landeshauptstädten und Wirtschaftszentren sind wir sogar zurückgefallen – relativ und absolut. Hier erwarten wir deshalb einen nachdrücklicheren Einsatz der Landespolitik – umso mehr als das Saarland der Bahn bisher Exklusivrechte im Regionalverkehr einräumt – und dafür erhebliche Beträge an die DB AG überweist.

Am dringendsten ist jedoch die Absicherung der einzigen Direktanbindung an den europäischen Fernverkehr. Deshalb setzen wir alles daran, die Gleichwertigkeit der Verbindungen über Straßburg und Saarbrücken zu erhalten. Vor genau einem Jahr hat die „Aktionsgemeinschaft Schienenschnellverkehr“ die wichtigsten Akteure zusammengebracht und dazu die Erklärung von Baudrécourt verabschiedet. Vorrangig geht es dabei um Streckenverbesserungen auf den „Bummelabschnitten“ Landstuhl – Kaiserslautern, Homburg – Bruchhof und Forbach – Baudrécourt sowie die schnellstmögliche Einführung der europäischen Zugsicherungstechnik ETCS. In der Summe ließe sich mit diesen Maßnahmen ein Gleichwertigkeit von Nord- und Südast über 2015 hinaus erreichen.

Ein Gutachten soll jetzt klären, mit welchen Kosten diese Ertüchtigungsmaßnahmen verbunden sind und auf welchen Abschnitten Fahrzeitgewinne am wirtschaftlichsten zu realisieren sind. Die IHK wird sich an der Finanzierung dieses Gutachtens beteiligen, ebenso wie die IHKs in Mannheim und Ludwigshafen. Und wir werden nicht locker lassen – weder beim Thema POS noch bei den Schwachstellen der nationalen Fernverkehrsanbindung.

Das Saarland darf auf keinen Fall aufs Abstellgleis geraten!