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 Motiv: © SeanPavonePhoto - Fotolia.com

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01.04.2014

Anschluss halten! Das Saarland darf im Schienenfernverkehr nicht abgekoppelt werden

Kolumne
Von IHK-Vizepräsident Albert Hettrich


Im Saarland ist die Schiene nach der Straße der wichtigste Verkehrsträger. Das wurde erst kürzlich wieder durch eine Umfrage der IHK zu den regionalen Standortbedingungen bestätigt. Danach hat die Erreichbarkeit des Landes mit der Bahn für jedes zweite Unternehmen eine hohe Priorität. Allerdings – und auch das hat die Umfrage gezeigt – gibt es mit Blick auf die tatsächlichen Bedingungen im Schienenverkehr noch Spielraum nach oben: Nur jedes sechste Unternehmen ist mit dem derzeitigen Angebot zufrieden, jeder dritte Betrieb sieht gar dringenden Handlungsbedarf.

Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass sich die Deutsche Bahn stärker im Saarland engagieren will. Bahnchef Dr. Rüdiger Grube hat auf dem jüngsten Bahngipfel angekündigt, dass die Deutsche Bahn bis Ende 2017 insgesamt 300 Millionen Euro im Saarland investieren will. Allein 290 Millionen Euro davon sind für Infrastrukturmaßnahmen vorgesehen, also für Maßnahmen zur Aufwertung von Strecken und Bahnhöfen. Zudem sollen mehr Zugbegleiter eingestellt werden.
Das ist erfreulich für das Saarland. Mehr Service, Sicherheit und Sauberkeit machen das Bahnfahren im Land attraktiver. So weit, so gut. Nur: Die gemachten Versprechungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dem Saarland massive Verschlechterungen im Fernverkehr drohen. Und dies gleich in doppelter Hinsicht.

Da ist zunächst die Gefahr, dass die Hochgeschwindigkeitstrasse Paris-Saarbrücken-Frankfurt an Bedeutung verliert. Hintergrund ist, dass in ziemlich genau zwei Jahren eine zweite Schnellverbindung Paris-Straßburg-Frankfurt fertig wird, die aus topografischen Gründen trotz größerer Distanz einen Zeitvorteil von mindestens 20 Minuten gegenüber der Verbindung über Saarbrücken aufweist. Da seitens der französischen Staatsbahn SNCF klare Präferenzen für die Strecke über Straßburg bestehen, sind Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen, dass die Verbindung über Saarbrücken „ausgedünnt“ wird. Statt derzeit fünf könnten dann nur noch vier Zugpaare am Tag verkehren. Unser Land verlöre damit eine wichtige Anbindung an den europäischen Hochgeschwindigkeitsverkehr. Wirtschaft und Bürger hätten das Nachsehen.

Das wäre nicht nur bedauerlich, sondern widerspräche auch der deutsch-französischen Vereinbarung von La Rochelle, in der die Gleichwertigkeit der beiden „Äste“ angestrebt wird. Insofern erwarten wir von der Deutschen Bahn, dass sie die auf der Strecke zwischen Mannheim und Baudrecourt möglichen Beschleunigungsmaßnahmen in den anstehenden Verhandlungen mit der SNCF über die weitere Kooperation offensiv zur Sprache bringt, sie dann möglichst rasch umsetzt und so für eine dauerhafte Integration des Saarlandes und der Großregion in den europäischen Schienenschnellverkehr sorgt.

Nicht minder wichtig ist aus Sicht der IHK die Anbindung des Saarlandes an das deutsche Fernverkehrsnetz. Auch hier drohen Verschlechterungen. Denn durch den vorgesehenen Ausbau des Regionalverkehrs im Saarland und Rheinland-Pfalz zeichnet sich ab, dass wohl nicht alle der derzeit bestehenden zehn Direktverbindungen mit Frankfurt, Heidelberg, Stuttgart, Leipzig und München/Graz auf Dauer zu halten sein werden. Da sich Regional- und Fernverkehr vor allem in den Tagesrandzeiten auf einer Trasse drängeln, wären von einer Streichung vor allem die frühmorgendlichen Direktverbindungen nach Frankfurt, München und Stuttgart betroffen. Bahnreisenden stünde dann zwar immer noch der Regionalverkehr bis Mannheim zur Verfügung, doch dort hieße es dann Umsteigen, Zeitverluste und Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen.

Wir appellieren deshalb an die Landesregierungen im Saarland und in Rheinland-Pfalz, mit der Deutschen Bahn im Gespräch zu bleiben und eine langfristig tragfähige und intelligente Verknüpfung zwischen dem Regional- und dem Fernverkehr zu finden. Aus Sicht der IHK brauchen wir aus strukturpolitischen Gründen eine Lösung, die auf Dauer eine direkte Anbindung des Wirtschaftsstandortes Saarland an das überregionale Fernverkehrsnetz sichert.